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ATB-Beschäftigte beschließen einstimmig Kampfmaßnahmen & Hamburger Unternehmer zeigen Interesse

Betriebsrat und Belegschaft fordern nachdrücklich ein tragfähiges Fortführungskonzept für den Standort sowie eine seriöse Suche nach Investoren bzw. nach einem möglichen neuen Eigentümer.

In einer Betriebsversammlung bei ATB in Spielberg forderten die MitarbeiterInnen einstimmig eine Änderung des derzeitigen Sanierungsplanes, bei dem 360 von den insgesamt 400 Beschäftigten den Arbeitsplatz verlieren würden.

Bei der Betriebsversammlung beschlossen die rund 330 TeilnehmerInnen auch vorsorglich Kampfmaßnahmen. „Der Streikbeschluss war einstimmig. Wir werden diesen Kahlschlag nicht einfach erdulden“, berichtet Betriebsratsvorsitzender Michael Leitner. Der ÖGB hat die Streikfreigabe bereits erteilt.

Der Einsatz von Kampfmaßnahmen könnte in den nächsten Tagen und Wochen bereits notwendig werden. So plant der derzeitige ATB-Eigentümer Wolong einen Abtransport von Produktionsmaschinen während des Betriebsurlaubes im August. „Das ist nicht rechtmäßig und wird von uns mit allen Mitteln bekämpft werden“, betonen die beiden Gewerkschafter Heribert Grasser (PRO-GE) und Christian Jammerbund (GPA-djp) abschließend.

Nun melden Investoren Interesse am Unternehmen an

Konkret ist es die Hamburger Innovation Holding HIH. Der Private Equity Fonds sieht die Chance, Standort, Know-how und Jobs der ATB zu erhalten, sagt ihr Geschäftsführer Axel Bauer. Bauers Partner ist der deutsche Sanierer Peter Rasenberger, Gründer der Grantiro. Zu dessen jüngsten Engagements zählt der Traditionsbetrieb Tetenal in Norderstedt, der nach seiner Pleite über ein Management-Buy-out neu Fuß fasste. Tetenal entwickelte einst Spezialchemie für analoge Fotografie, mittlerweile liefert er auch Chemikalien für Biogasanlagen. Engagiert hat sich Rasenberger auch für den Lichtspezialisten Ledvance, Ziel sei es, Industrie in Europa in ihrem Kern zu erhalten, mit ihr jedoch auf zukunftsträchtige Märkte umzusatteln, sagt Bauer. Sein Unternehmen schmiede gemeinsam mit den Mitarbeitern mehrere Alternativen für bestehende Anlagen. Setzen die Eigentümer diese nicht um, biete sich die HIH mit eigenem Kapital als Investor an. Schafft der Betrieb den Turnaround, ziehe sie sich zurück.

In Elektromotoren, wie sie ATB in Spielberg produziert, sieht Bauer eine Schlüsseltechnologie für Europa. "Wir wollen die Belegschaft fragen, was sie kann und daraus ein tragfähiges Geschäftsmodell entwickeln." Rasenberger erinnert die Methode, Maschinen quasi über Nacht zu demontieren, an Wild-West-Manieren. Er wolle nicht mit Erwartungen und Hoffnungen der Belegschaft spielen, ein Versuch sei die Rettung des Werks aber in jedem Fall wert und Wir sind keine Hasardeure, wir wollen uns in Ruhe ansehen, was getan werden kann, um dem Standort zu erhalten. Bauer und Rasenberger nehmen nun Kontakt mit dem steirischen Unternehmen und seinem Eigentümer Wolong in China auf.

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